Zwei unvergessliche Prunksitzungen entführen Baumholder in den närrischen Ozean

„Koralle, Nixe, Haifischzahn – Karneval im Ozean“ – unter diesem Motto verwandelte sich die Brühlhalle in Baumholder an zwei ausverkauften Abenden in eine farbenfrohe Unterwasserwelt. Rund 800 Besucher ließen sich in eine fantastische Kulisse entführen, die vom kleinsten Fisch bis zum größten Hai mit viel Fantasie und Herzblut gestaltet war. Eine blinkende Riesenkrake thronte über der Bühne und machte das beeindruckende Bühnenbild perfekt.

Pünktlich um 19:11 Uhr eröffneten die Fanfarenbläser – Tim Lorscheider, Peter Glück, Sascha Brenner, Erhard Becker und Axel Mohr – die Sitzung. Der 1. Vorsitzende Dirk Kaps begrüßte das närrische Publikum und stellte fest: Die fünfte Jahreszeit ist in Baumholder angekommen.

Für den ersten Raketenmoment des Abends sorgten die „Zappelino-Ghostbusters“. Unter der Leitung von Heike Bier und Christina Forster nahmen sie es mit dem bösen Unterwassergeist „Godo“ auf und jagten ihn mit einem lautstarken Auftritt in die Flucht. Die starke Truppe sicherte sich dafür direkt die erste Rakete – die Stufe vier war in diesem Jahr ein zum Motto passendes „blubb, blubb, blubb, blubb“.

Im Anschluss wurde in Person von Jeremy Quick das Amt des Kellermeisters bei der BKG wiedereingeführt, bevor die feierliche Proklamation des Prinzenpaares folgte.
Mit Selbstironie lud das Prinzenpaar, Prinz Holger I./II. und Prinzessin Katrin I./II., in seiner Rede zum „Abtauchen“ in die Unterwasserwelt ein. Augenzwinkernd erinnerten die beiden daran, dass sie bereits vor 24 Jahren, im Jahr 2002, schon einmal als Prinzenpaar auf der Bühne standen – ein echtes Novum in der Vereinsgeschichte der BKG. Dass sie nun erneut die Krone tragen dürfen, bezeichneten sie humorvoll als gelebte „Nachhaltigkeit“ und närrisches Recycling. „Alt heißt net, dass nix mehr geht – sondern dass mir wisse, wie ma feiert“, betonten sie und dankten der BKG dafür, diesen Fastnachtstraum möglich gemacht zu haben. Auch private Einblicke durften nicht fehlen: Während Prinzessin Katrin im Alltag als Lehrerin unterrichtet und Prinz Holger als Landschaftsgärtner Bäume und Beete pflegt, teilen beide die Leidenschaft für Fastnacht – ebenso wie ihre drei Töchter, die längst selbst in der Garde tanzen. Hoffentlich funktioniert die Werbung der beiden für das Amt, soll doch die schöne Tradition eines Prinzenpaares auch in Zukunft aufrechterhalten werden.
Mit dem Kommando „Prinzengarde, Gardemarsch!“ startete die 16+1 starke Prinzengarde in ihren perfekt präsentierten Marsch. Trainiert von Kerstin Rott und unterstützt von den Betreuerinnen Bianca Andres und Michelle Trum-Eisenhut zeigte die Garde einmal mehr ihr hohes tänzerisches Niveau.

Magisch wurde es dann mit der elfjährigen Lina Barbosa Heidrich nebst Oma Manuela Heidrich, die das Zaubern als neues Hobby für sich entdeckte und mit Unterstützung von „Oma Ela“ ganz souverän Luft und Feuer tanzen ließ – und am Ende sogar die Schwerkraft überwand. Eine fantastische Darbietung als Eisbrecher zu Beginn der Sitzung von den beiden aus der bekannten Fastnachtsfamilie Flohr, die mit Lina in die nächste Generation geht.

Die „Wonneproppen“ entführten das Publikum mit einem fröhlichen Meerjungfrauentanz nach Atlantis. Die jüngste Garde der BKG präsentierte einen starken Tanz, der bereits zum zweiten Mal eigenständig von der erst 15-jährigen Nachwuchstrainerin Emely Paffendorf choreografiert wurde – unterstützt wurde sie dabei von ihrer Mama Claudia und Oma Helga Heinz. Mit „Ich bin bereit“ aus „Vaiana“ und „Unter dem Meer“ aus dem Disney-Klassiker „Arielle, die Meerjungfrau“ begeisterten sie das Publikum.

Das „Duo ohne Anspruch“, Lukas Decker und Patrick Geibel, sorgte anschließend für musikalische Unterhaltung und besang mit Gitarre und Mundharmonika in „Wann wird’s mal wieder richtig Pfingsten“ humorvoll die sich mit zunehmendem Alter verändernden Feiergewohnheiten: da wird heute sogar Salat von Tellern mit Besteck gegessen und statt Flunkyballfeld eine Hüpfburg aufgebaut. In dem Song „Halt dein Maul“ gaben sie scherzhaft ihr persönliches Mantra preis, das in diversen Alltagssituationen zum Einsatz kommt.
Einen ernsteren, aber eindrucksvollen Akzent setzte die Minigarde mit ihrem Showtanz zum Thema Meeresverschmutzung. Die 18 jungen Tänzerinnen, trainiert von Pia Flohr und Bianca Majewski, machten deutlich, wie bedroht die artenreiche Unterwasserwelt durch menschliches Handeln ist – und wie wichtig es ist, unsere Meere zu schützen, um die farbenfrohe Vielfalt unserer Ozeane auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

Als „Lokalkanone“ fuhr Sitzungspräsidentin Maren Meschenmoser auch in diesem Jahr schwere Verbalgeschütze auf und berichtete, unterstützt von Kanonier Udo Eifler, von Begebenheiten aus der Westrichstadt und ihrem Privatleben. So möchte sie gewisse politische „blaue Kameraden“ am liebsten hinter Gittern sehen, denn: „In unserem Flecke han ihr kä Platz!“ Auch die schwierige Suche nach dem Prinzenpaar fand Erwähnung in ihrer Rede, doch nicht, ohne auch einen Notfallplan für die Zukunft zu präsentieren: So plant Meschenmoser die Einführung einer Wehrpflicht für Prinzenpaare und unterstreicht mit den Worten „Tradition bleibt nur, wenn man sie auch tut“ erneut die bereits von den beiden amtierenden Regenten ausgesprochene Meinung.

Vor der Pause zeigten die drei BKG-Funkenmariechen Viktoria Bozhilova, Johanna Kaps und Malin Scherne herausragende Darbietungen. Ein emotionaler Moment: Johanna Kaps tanzte in diesem Jahr nach 7 Jahren ihre letzte Saison als Tanzmariechen. Die Sitzungspräsidenten loben ihren Einsatz in den vergangenen Jahren, in denen sie mit ihren beiden Partnerinnen stets einen Glanzpunkt in den Prunksitzungen gesetzt hat.

Nach der Pause eröffnete eine neu formierte Fastnachtstruppe mit einem Sketch den zweiten Teil des Abends. Maurice Heidrich führte als „Herzblatt“-Moderator durch Runde eins der altbekannten Dating-Show „aus Zeiten ohne Tinder“. Kandidaten wie Wald-Walter (Thomas Flohr), Manni (Yannick Simon) und Jerre (Jeremy Quick) buhlten um das Herz von Barbara (Vivien Keppen). In der zweiten Runde suchte dann Erich (Maurice Heidrich) mit Hilfe von Moderatorin Vivien Keppen seine Traumfrau. Zur Auswahl standen Beautyfee Sophie (Sabina Kaps) und Frohnatur Maren (Nele Klein). Mit viel Wortwitz, einer herrlichen Zusammenfassung durch Susi (Nadine Norvell) und Fotos der Paare von ihrem Ausflug mit dem legendären „Herzblatthubschrauber“ wurde das Publikum bestens unterhalten.

Die Jugendgarde begeisterte mit einem schwungvollen Gardemarsch zu bekannten Hits von Nena. Trainerin Jaquo Hansmann hatte die 20 Tänzerinnen in diesem Jahr alleine trainiert – eine wirklich starke Leistung.

Die Westrich-Sänger unter der Leitung von Tina Hauch begaben sich musikalisch auf die Suche nach einem Prinzenpaar und waren froh, dass die BKG „tief im Ozean“ doch noch fündig geworden ist: „Katrin und Holger haben‘s gezeigt, da ist doch nichts dabei!“ In ihrem zweiten Lied nahmen sie den Marktplatzbrunnen und die darin im vergangenen Sommer nackt badenden Junggesellen humorvoll aufs Korn, bevor sie abschließend dem kurz vor Weihnachten verstorbenen Ehrenmitglied Heiner Poppelreuther mit „So schön war die Zeit“ gedachten – ein sehr bewegender Moment.

Im Rahmen der Ehrungen zeichnete der eigens angereiste 1. Vorsitzende der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval e.V. (IGMK), Harald Gebhard, Udo Eifler und Bernd Mai für 40 Jahre Vereinsengagement mit dem goldenen Verdienstorden und einer Urkunde aus.
Weiterhin wurden für ihre Dienste im Namen des Vereins Mareike Traumer, Michael Brunk, Hans-Günter Schinkel, die Feuerwehr Baumholder und Bernd Paffendorf mit dem Pegasus-Orden der Nahe-Zeitung ausgezeichnet.

Die „Damen ohne Namen“, trainiert von Esther Kaps und Manuela Heidrich, erweckten als Skelette um Mitternacht einen Friedhof zum Leben und ließen zu „Wackelkontakt“ und „Gute Laune“ die Knochen tanzen.

Als neuer „Sheriff in town“ sorgte Sitzungspräsident Yannick Simon für weitere Lacher, indem er in seinem Polizeibericht das Geschehen in Baumholder und der Welt aufs Korn nahm. So fand die katastrophale Parksituation in der Poststraße („E Roland Emmerich Film is e Scheißdreck degehe!“) ebenso Erwähnung wie die Politik auf Kommunal- und Landesebene.

Die Prinzengarde nahm dann das Publikum in ihrem Showtanz mit nach Atlantis und vertanzte eindrucksvoll die Geschichte des Kampfes zwischen Meeresforschern und den Kriegern der sagenumwobenen, tief im Ozean versunkenen Stadt.

Den Schlusspunkt der Büttenreden setzte „Amts-Gretche“ Nadine Norvell, die seit September wieder im Bürgerbüro von Baumholder „das Niveau hebt“ und von ihrem Arbeitsalltag als Beamtin mit unfreundlichen Zeitgenossen, Zuständigkeiten und Verständnisproblemen berichtet. Sollte einmal eine neue Bürgermeisterin gesucht werden, könnte man laut Norvell in der Eisdiele fündig werden, wo sie dann gerne auch eine entsprechende Verwaltungsaußenstelle eröffnen würde.

Raus aus der Bütt und ab hinter die Bühne ging es für Nadine Norvell dann beim darauffolgenden Auftritt des von ihr trainierten Männerballetts. Das startete seine Hitparade mit dem lang vermissten „Iltis in der Hose“, führte über ein Reitturnier bis nach „Bella Napoli“ und bereitete so das große Finale vor: Die Party der Fische unter Wasser mit dem hereingetragenen Meeresgott (Ralf Miguletz) und seiner heißen „Meernixe“ (Kevin Nix) brachte die Halle zum Beben.

Für das Schlussbild marschierten alle Aktiven noch einmal auf die Bühne. Nach dem Schlusswort der Sitzungspräsidenten Maren Meschenmoser und Yannick Simon, die in gewohnt lockerer und souveräner Manier durch den Abend geführt hatten, endete eine stimmungsvolle Sitzung traditionell mit der Vereinshymne „Schönes Baumholder“.

Und wie es das Prinzenpaar bereits in seiner Rede treffend auf den Punkt gebracht hatte: Fastnacht in Baumholder bedeutet Gemeinschaft, Lachen und Zusammenhalt – ganz unabhängig von Alter, Herkunft oder Sprache. Nicht Worte verbinden die Menschen, sondern das gemeinsame Lachen. Genau dieses Gefühl war an beiden Abenden in der Brühlhalle spürbar. Der närrische Ozean lebte durch seine Narrenschar – und machte die Prunksitzungen 2026 zu einem unvergesslichen Erlebnis. Zwei Abende voller Kreativität, Herzblut und närrischer Begeisterung – der Karneval im Ozean wird Baumholder noch lange in Erinnerung bleiben.

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